Die Klänge einer Konzertgitarre eröffnen den Jungendkongress 2009 in Erfurt. Ungewöhnlich für den ersten Moment, jedoch nicht, wenn man genauer hinhört – etwas, das man an diesem Tag noch öfter machen wird.
Von Katja Heidrich
Er singt von zwei Tieren, die sich nicht verstehen. Stephan Krawczyk, Liedermacher und Schriftsteller, verarbeitet in Texten und Songs seine Erfahrungen mit der DDR. 1985 wird daraufhin ein Berufsverbot über ihn verhängt, daraufhin wird er ausgewiesen.

In der DDR unerwünscht: Liedermacher Krawzyk (Foto: Katja Heidrich).
Selbst heute, 20 Jahre nach dem Fall des „eisernen Vorhangs“, verstehen sich die ehemals zwei deutschen Staaten immer noch nicht recht. “Generationen reden nicht mehr miteinander. Wenn die Jugendkultur nur noch aus MTV besteht, hat man ja mit der Oma nicht mehr viel zu reden”, so der gebürtige Thüringer.
Für Ihn selbst war der Fall der Mauer die Möglichkeit, seine Familie wiederzusehen. Nach dem Abschub in den Westen war dies nur noch selten möglich. „Missstände darf man als Schriftsteller nicht ausblenden, wenn man sich ernst nimmt“, sagt Krawczyk. „Man muss die Balance zwischen ‚sich selbst ernst nehmen’ und ‚verkaufen’ finden. Manchmal dauert es etwas, den richtigen Ton dafür zu finden.“
An die DDR hat der Autor keine guten Erinnerungen. „Dass mir die Landschaft gefiel oder die Zeit, die ich mit meinen Freunden verbracht habe, hatte nichts mit der DDR zu tun. Sobald der Staat Einfluss hatte, wie in der Schule, finden sich keine schönen Erinnerungen.“
Auf die Frage, ob Deutschland „ein“ Volk ist, wie es revolutionär bei den Montagsdemos hieß, antwortet der Liedermacher: „Wir sind nicht ‚ein’ Volk. Es gibt auch nur noch wenige, die sich dafür interessieren. Aufgabe der Medien ist es, wie bei den Holocaust-Beiträgen, auf den Hauptprogrammen zur besten Sendezeit Beiträge über die DDR zu senden, die wieder zum Gespräch zwischen den Generationen anregen. Sie sollen Fragen stellen!“
Fragen stellten auch die Schüler, die zu den Diskussionen eingeladen wurden um zu lernen, wieder eine Sprache zu sprechen.